Bevor du diesen Blog liess, rate ich dir, dass du es dir mit einer Tasse Kaffee oder Tee in der Hand gemütlich machst, denn es wird eine Weile dauern, bis du das letzte Wort gelesen haben wirst.
Während mehreren Wochen liefen die Ferienvorbereitungen auf Hochtouren, denn wir wollten übers Neujahr nach Ghana reisen und die Seelen am Strand baumeln lassen. Der Plan schien einfach zu sein: Wir reisen auf dem Landweg via Benin und Togo nach Ghana und fliegen dann zurück nach Abuja (Nigeria) um Zeit zu sparen. Wir würden den Bus nach Lagos nehmen, was ca. 12 Stunden dauert, am nächsten Tag mit Bus oder Taxi nach Cotonou, Benin. Hier würden wir eine Nacht verbringen und dann mit dem Bus nach Accra, Ghana weiterfahren. Nach einer Nacht in Accra würde uns dann das Meer empfangen. Ziemlich simpler Plan, nicht wahr? Mit mehr oder weniger Afrikaerfahrung wussten wir theoretisch, dass nichts nach Plan geht. Und deshalb packten wir neben der Badehose noch Bücher und ein grosse Portion Flexibilität ein. Aber selbst in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns nicht geträumt, was uns begegnen würde.
Noch bevor die Reise los ging, wurde der Flug von Accra nach Abuja ohne Erklärung gestrichen und das nur wenige Stunden, nach dem wir es endlich geschafft hatten, für alle ein Ticket zu buchen. Es hiess also zum ersten Mal einen Plan B zu entwickeln. Als wir am 24. Dezember (weniger als 48 Stunden vor der Abreise) unsere Pässe mit den Ghana Visa zurück erhielten, stellte ich voller Schrecken fest, dass mein Pass nicht dabei war! Im Geiste sah ich mich schon zu Hause bleiben, da niemand am Weihnachtstag in der Botschaft zu erreichen wäre. Gott sei Dank befand der Pass sich im Kopierer eines Freundes, der für uns die Visa besorgte. Fröhliche Weihnachten!
Am 26. Dezember wurden wir um 6.45 Uhr zur Busstation gebracht, von wo um 7.00 Uhr der Bus nach Lagos aufbrechen sollte. Unternehmungslustig checkten wir ein, und warteten und warteten.
Aus dem Lautsprecher wurde uns immer wieder für unsere Geduld gedankt, da der Bus noch nicht da sei, aber er würde kommen. Als er dann um 11.30 Uhr endlich auftauchte, waren wir mehr als bereit aufzubrechen. Allerdings wurde uns klar, dass aus dem sicheren Tagesbus ein Nachtbus werden würde. Und ein Nachtbus steht auf der „Du sollst nicht... -Liste“ in Nigeria ganz oben. Wir wurden am späten Abend dann tatsächlich von einige finsteren Typen in einem Auto verfolgt, so dass der Fahrer aus Sicherheitsgründen beschloss, vor einer Polizeistation Halt zu machen und erst am frühen Morgen weiterzufahren. So erreichten wir Lagos um 7.00 Uhr am nächsten Morgen: 24 Stunden nach dem wir uns in Jos reisefertig gemacht hatten.
Als wir die Bustickets von Cotonou nach Accra kaufen wollten, wurde uns gesagt, dass wir a) diese nicht hier kaufen könnten und dass b) dass Ghana seine Grenzen wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen für die folgenden zwei Tage geschlossen habe. Flexibel wie wir waren, beschlossen wir zwei Nächte anstatt einer in Cotonou zu bleiben.
Per Taxi ging es von der Busstation zum Taxi-Sammelplatz, von wo die Taxis nach Cotonou abfuhren. Nur neben bei: Für die 5 minütige Fahrt wurden wir total abgezockt. Nicht viel anders ging es uns, als wir die zwei Taxis für die Grenzüberquerung charterten. Nehmt euch doch unser Geld, als Missionare haben wir ja Geld wie Heu!!! Aber es sollten noch nicht genügend Emotionen für den Tag sein. 500m vor der Grenze bliebt ein Taxi stehen. Als es weiter ging, wurden wir alle 10m von einem Nigerianischen „Immigrations-Beamten“, der mit einem nägelbespicktem Stock bewaffnet ist, gestoppt und nach einem „Happy Christmas“ gefragt, was soviel bedeutet, dass er Moneten sehen möchte. Es scheint, dass jeder beliebige sich hier in die Reihe stellen kann. (Vielleicht sollte ich diese Methode ebenfalls ergreifen, wenn ich das nächste Mal Unterstützung für meinen Dienst sammeln werde. Scheint lukrativ zu sein.)
An der Nigeria-Benin Grenze mussten wir uns ein Transit-Visum (48h) besorgen, was Abklärungen zu Folge einfach zu erhalten sei und ca. 25 CHF kosten sollte. Falsch! Nach drei stündigem Verhandeln, Warten, die Strasse fünfmal überquerend und jedem hinter einem Tisch sitzenden Beamten „Drinkgeld“ gebend, konnten wir dieses unwirtliche Stück Land mit mächtig geschrumpftem Reisebudget endlich verlassen. Hier fassten wir den einstimmigen Entschluss, nicht via Land nach Nigeria zurück zu reisen, sondern in Ghana einen Flug zu buchen. Einige Stunden später erreichten wir das SIM Guesthouse in Cotonou und damit endlich eine Dusche und ein richtiges Bett.
Es folgte ein vergeblicher 2,5 stündiger Versuch Geld zu wechseln und die Billets für die Weiterfahrt zu besorgen. Es war Samstagnachmittag und somit waren alle Geldwechselbüros geschlossen. Am Sonntag konnten wir via jemanden von der Kirche, der jemandem auf dem Schwarzmarkt kennt J, schliesslich doch noch Geld wechseln und unsere Busbillets kaufen.
Am Montagmorgen als wir Benin verlassen wollten, zogen Marc und Lisa nochmals los um Travellers Checks zu wechseln, da wir Geld für unsere Togo Visa brauchten. Der kurze Abstecher zur Bank entpuppte sich als zweistündige Odysee, während dem keiner von uns sechs Wartenden wusste, wo die beiden waren. Der Bus war längst zur Abfahrt bereit, doch von den beiden war keine Spur zu sehen. In meinem Geiste sah ich sie irgendwo ausgeraubt, gefesselt und im Strassengraben liegen oder in der Stadt herum irren, weil sie sich verlaufen hatten. Fazit dieses Teilabenteuers: Travellers Checks sind nutzlos in Afrika und Naira ausserhalb Nigerias ebenso.
An der Grenze zu Togo mussten wir zusätzliche 5,000 CFA (ca. 12 CHF) bezahlen, da wir aus nicht francophonen Länder stammen. Meine Überzeugungsversuche, dass in der Schweiz ebenfalls Französisch gesprochen werde, fruchteten nicht.
Da wir bereits ein Visum für Ghana hatten verlief die dritte Grenzüberquerung problemlos.
140km vor Accra, in einem kleinen Dorf, entschliesst sich unser zuverlässiger Minibus, dass es an der Zeit sei, Probleme zu machen. Der Motor gab schreckliche Geräusche von sich und gab schliesslich auf. Kühlwasser fliesst auf die Strasse. Als der Fahrer den Sitz zurückklappte, um nach dem Motor zu schauen (es ist einer jener Toyota Busse, die den Motor unter dem Fahrersitz haben), öffnete er den Deckel des Kühlwassertanks. Wie ein Geysir verteilet sich das Wasser im Innern des Autos.
Nach einigen vergeblichen Versuchen sprang der Motor wieder an und wir tuckerten im dritten Gang mit 60 km/h weiter. Durch ein Wunder schaffte es der Bus bis nach Accra.
Von hier an ging alles plötzlich viel einfacher. Beinahe ungewöhnlich, widererwartend einfach. Wir erreichten Big Milly’s Backyard und somit das Meer und den Strand. Der Urlaub konnte beginnen!!! Ob wir uns diesen wirklich verdient haben?
Mehr als einmal während der ganzen Reise wurden wir an folgende Bibelstellen erinnert:
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. (2. Kor 4,8)
Sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnisse Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, ... (Röm 5, 3-5)

Strand bei Kokorbite

Sylversterabend

Ehemalige Sklavenburg in Elmina

Haengebruecken im Dschungel