21.12.2009

Wenn es weihnachtet

Heute war ein sehr bewegender Tag. Eine weitere Weihnachtsparty stand auf dem Programm, die dritte innerhalb der letzten fünf Tage. Aus diesem Grund hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, als ich heute morgen meine Beine aus dem Bett schwang. Meine ersten Gedanken formten ein Gebet zu meinem himmlischen Vater, weil ich mich energielos fühlte und mir vor einem randvollen Tag ohne Pause graute (von wegen besinnliche Adventzeit). Ich wusste, dass nur seine Kraft mir durch diesen Tag helfen würde, weil ich es zur Zeit nicht mehr in mir habe.

Gott sei Dank war es ein schöner, sonniger und nicht zu heisser Tag. Die letzten Vorbereitungen gingen gut über die Bühne und für einmal waren wir gut im Zeitplan. Nach gut Afrikanischer Zeit erschienen die Witwen 30-90 Minuten zu spät (Schuld daran ist z.T. die Benzinknappheit, die uns seit zwei Monaten das Leben schwer macht). Mit einigen Weihnachtsliedern stimmten wir uns auf den Anlass ein, gefolgt von der Weihnachtsgeschichte. Immanuel - Gott mit uns" in jeder Situtation. Jede von uns Frauen wird während dem diesjährigen Weihnachtsfest jemanden vermissen. Ob verstorbener Ehemann oder Familen, die weit weg sind. Nichts ist für Jesus unmöglich, keine Situation, in der Er nicht Herr und allmächtig ist, die er nicht kennt und verändern kann. Er ist mit uns.
Nach gut Nigerianischer Tradition assen wir das typische Weihnachtsessen: Reis, rote Sosse und Fleisch und tranken dazu ein Süssgetränk (natürlich ungekühlt).
Nachdem Berge von Essen verputzt waren, spielten wir Bingo und ich genossen den Anblick der Frauen. Sie sassen gespannt über ihre Karte gebeugt, in der Hoffnung einen Preis ergattern zu können. Für einige Minuten konnten sie jegliche Probleme vergessen und einfach geniessen und sein. Wie sehr wünsche ich mir, dass sie noch mehrere solche Momente erleben können.
Nach einige "Verdauungstänzen" stand eine Staffette auf dem Programm, bei der die Frauen jeweils einige Kleider anziehen und dann zur anderen Seite rennen mussten. Wir haben noch selten so gelacht! Es war so chaotisch, denn die Frauen mussten sich über ihren Rock eine Wickelhose anziehen.
Der Höhepunkt des Tages war das diesjährige Weihnachtsgeschenk. Wir überlegten im Vorfeld lang und breit was wir den Frauen schenken könnten. Stoff für ein neues Kleid ist gut und nett, aber etwas langweilig. Einen Korb mit Lebensmitteln gaben wir ihnen letzes Jahr. Wie wäre es mit Hühnern? Ja, nein, ist eine coole Idee, aber wie verstecken wir 30 Hühner vor den Frauen? Vielleicht sollten wir es tun, denn kaum eine der Frauen kann sich ein Huhn zu Weihnachten leisten. Aber können wir es uns leisten, schliesslich sind Hühner nicht billig?Wir entschieden uns dafür und sollten reich, reich belohnt werden. Wir forderten die Frauen auf sich in eine Reihe aufzustellen und uns singend und tanzend zu folgen.
Als die ersten die Hühner erblickten konnten sie noch nicht so recht einordnen, was das alles soll und auf ihren Gesichtern war die Frage " Was haben diese beiden Weissen jetzt wieder im Sinn?" deutlich erkennbar.
Als wir ihnen sagten, dass sie sich ein Huhn schnappen sollten, begann 'Chicken Run' und nach nur wenigen Sekunden hatte sich jede der 30 Frauen ein Huhn unter den Arm geklemmt. Auf ihren Gesichtern wechselten sich Freude, Überraschung, Unglauben und Tränen der Wortlosigkeit ab. Nach der ersten Überraschung begann der 'Hühnertanz'. (Einen kleinen Ausschnitt davon ist im Video ersichtlich.)
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Diese Minuten haben uns für all die Arbeit in den vergangenden Monaten entlöhnt. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und ich fühlte mich leicht und froh. Schenken macht eine echte Freude und ich glaube ich habe noch selten ein sinnvolleres Geschenk verschenkt.Fröhliche Weihnachten!!!

17.11.2009

Weltmeister


Seit letztem Sonntagabend gehöre ich zu den prominenten Personen dieses Planeten. Telefonanrufe mit Glückwünschen, Emails, die vor Begeisterung nur so sprühen, Gratulationen noch und nöcher und Auftritte im Fernsehen. Es ist ein gutes Gefühl im Scheinwerferlicht zu stehen. (Warum mussten wir gestern im Hauskreis bloss über den Wahn nach Berühmtheit sprechen? Das verdirbt mir die Freude...) Ich muss gestehen, dass dies nicht alles auf meinem Mist gewachsen ist, ich nicht extrem viel dazu beigetragen habe und dass der Zufall oder vielleicht besser gesagt eine Reihe glücklicher Umstände dazu geführt haben, dass ich die Luft der Cervelatprominenz schnuppern durfte.

Man nehme Nigeria + U17 WM + viel Vitamin B eines Freundes + die gute Leistung der Schweizer Mannschaft, die sie in den Final brachte + Glück, schüttle alles gut durcheinander und als Resultat bekommt man folgendes:

Ich sollte nicht vorgreifen. Es kam so: Durch gute Beziehungen kam ein Freund zu einigen Ticket für den kleinen und grossen Final der U17 Weltmeisterschaft, die in Nigeria stattfand. Eigentlich wollte ich nicht nach Abuja fahren, da ich von viereinhalb Wochen drei Wochen unterwegs war und deshalb ziemlich ausgelaugt war. Doch als die Schweizermannschaft sich für den Final qualifizierte, rang ich mich doch dazu durch, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen. Und ich sollte es nicht bereuen. Ich greife schon wieder vor.
Bevor wir zum Stadion fuhren stoppten wir noch im Hilton um zusätzliche Tickets für Freunde abzuholen. Dabei stiessen wir zuerst auf den Mannschaftsbus der U17 Nati und dachten „Wie cool ist das?!“
Im Hilton stiessen wir auf einige Spieler und hielten einen kurzen Schwatz mit ihnen und versicherten ihnen, dass wir sie mit Leib und Seele unterstützen würden.

Dank eines Passes konnten wir dieses Mal mit dem Auto ins Stationgelände hineinfahren und vermieden so Tränengas und Gedränge auf den Strassen vor dem Stadion.

Ausnahmsweise ging mal alles nach Plan. Unsere Tickets waren für den VIP-Bereich und somit stand uns eine grosse und kühle Lounge zur Verfügung und Sitzplätze mit viel Beinraum in den ersten Rängen. Es dauerte eine Weile, bis ich mich an diese Tatsachen gewöhnt hatte. Als Fussvolk und Bauer auf dem Spielfeld hatte ich kaum eine Ahnung davon in welchen Gefilden sich die Prominenz dieser Welt bewegt und welche Annehmlichkeiten diese mit sich bringen.

Es war absout genial so nahe am Spielfeld zu sein und die Gesichter der Spieler ohne Feldstecher sehen zu können.

Es war ein gutes Spiel, das meinen Nerven alles abverlangte. Das 1:0 für die Schweiz beruhigte mich etwas, aber gelassen wurde ich nicht. Die Nigerianische Mannschaft gab alles und war mehrere Male sehr nahe am Ausgleich und ich zitterte um den Sieg der Schweizer Nati. Doch die Jungs hielten sich gut und gaben alles, die Verteidigung stand sicher. Nach langen 90 Minuten war das Wunder komplett: Wir sind tatsächlich Weltmeister!!!! Gott sei Dank waren wir im VIP-Bereich, ansonsten hätten wir nicht so frei jubeln und feiern können. Die Mehrheit der 60000+ Zuschauer waren nicht sehr erfreut über den Sieg der Buben in rot. Knaller, Tunder und anderes Feuerwerk wurde in die Menge geworfen. Die Lage beruhigte sich jedoch schnell und wir konnten ausgelassen feiern. Gerade mal drei Meter von uns entfernt nahmen die Spieler ihre Medaillen und den Pokal von Sepp Blatter, dem Vizepräsidenten Nigerias und anderen hohen Tieren in Empfang.


Die Wartezeit bis wir das Stadion verlassen konnten war im Nu vorbei und wir gaben den Medien genügend Bildmaterial für ihre Sendungen. Und auf diese Weise konnten wir live Grüsse in die Schweiz schicken. Hätte nie in meinem Leben davon geträumt es zusammen mit Alain Suter auf den Bildschirm von SF zu schaffen! Auch auf dem Nigerianischen Kanal wurden wir eingeblendet.

Aber es sollte noch besser kommen. Von einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft wurden wir zur privaten Feier für die Mannschaft im Hilton eingeladen.

Es war eine Feier im kleinen Rahmen, was zu unserem Vorteil gereichte, denn als kurz vor Mitternacht die Mannschaft eintraf waren wir mittendrin. Die Feier erreichte ihren Höhepunkt: Jubel, Gesänge, Gratulationen, Umarmungen, Polonaise und einen riesigen Kuchen. Sepp Blatter beehrte uns zudem noch mit seiner Gegenwart und lobte die junge Mannschaft.

Und nun stehe ich nicht mehr in Gefahr vorzugreifen, denn das Resultat ist schon bekannt: Ich hielt den Pokal in meinen Händen. Wir sind Weltmeister!


04.11.2009

Obudu- die Nigerianische Schweiz

Da in den letzten viereinhalb Wochen auf Wanderschaft war, blieb zwischen den einzelnen Reisen nicht viel Zeit euch daran teilhaben zu lassen. Doch nun will ich es nachholen.
Die erste Reise führte mich in den Südosten Nigerias nach Obudu (Cattle Ranch). Gemeinsam mit zehn anderen Singles und einer sechsköpfigen Familie rollten und holperten wir 8.5 Stunden über die Strasse zu einer der schönsten Ecke des Landes. Grüne Hügel, steilabfallende Berghänge und frische Luft.

Nachdem ich in Deutschland gelernt habe, dass die gebirgigen/hügligeren Gegenden mehrerer bundesländer nach der Schweiz benannt wurden (Mecklenburgische Schweiz, Sächsische Schweiz, ...), fand ich es passend, dies auch mit diesem Fleckchen Erde zu tun. In Obudu kam ich mir vor, als hätte ich Nigeria verlassen: Es war sauber, die Strassen ohne Schlaglöcher, ein Schwimmbad bei dem alles funktioniert und das noch keine Abnutzungserscheinungen zeigt, eine Seilbahn gebaut von einer Österreichischen Firma, richtige Kühe und weniger Population.
Wir hatten eine fantastische Zeit und mega viel Spass. Anhand der Bilder möchte ich euch daran teilhaben lassen.
Am Fusse des Berges befand sich ein geniales Schwimmbad mit klarem Wasser, Rutschbahnen, 1m und 3m Sprungbrett und 25m Becken.
Ob auf dem Hintern, dem Bauch, der Matte, dem Frisbee oder in einer 12köpfigen Schlange, wir nutzten es aus, dass es keine Regeln und Bademeister gab, die einem den Spass verderben und brachen bestimmt alle Geschwindigkeitsrekorde.
Aber wir genossen nicht nur das Pool, sondern auch die Bergbäche und Felsen... Juhuuuuu!

Vom Schwimmbad am Fusse der Berge schlängelte sich die Strasse 11km lang den Berg hinauf zur Obudu Rattle Ranch, einem Resort. (In der Kolonialzeit züchteten die Engländer wunderschöne Kühe auf diesen Bergen, deshalb der Name.)
Oder man benutzte die Seilbahn mit genialer Aussicht.
Neben dem Schwimmen erkundeten wir zu Fuss auch die Umgebung. Leider verdeckten uns die Wolken auf dem Heiligen Berg (holy mountain) die Sicht nach Kamerun.
Bei der 'Killer-Wanderung' ging es entgegen der normalen Wanderung erstmals meistens rutschend, stolpernd und nach Halt an Grasbüscheln suchend steil ins Tal hinunter. Unser Ziel (dunkelgrüner Streifen im Foto) war ein Wasserfall in dem wir baden konnten. Zum Abschluss mussten wir den Hang wieder hinauf klettern, dies zur Freude der Oberschenkelmuskulatur :-)
I believe I can fly!

Wenn du noch ein paar weitere Fotos sehen möchtest, klicke auf den Link 'Fotos' auf der rechten Seite.

18.09.2009

Fussballfreuden

Da meine verbleibenden Tage in Nigeria definitv weniger werden und nicht mehr, habe ich mir vorgenommen noch einige schräge, unvergessliche, must-do-it Erlebnisse zu verschaffen, so dass ich nie das Gefühl haben werde, Nigeria nicht wirklich gesehen und erlebt zu haben.
Durch das Buschtelefon erfuhr ich, dass Nigeria ein Qualifikationsspiel für die WM 2010 gegen Tunesien spielen wird. Fussball ist der Nummer 1 Sport in Nigeria und jeder Junge möchte für Chelsea, ManU, Arsenal oder Barcelona spielen. Was könnte Nigerianischer sein, als im Stadion von Abuja für die Nigerianische Nationalmannschaft zu fanen. Ausgerüstet mit einem "echten" Trikot machten wir uns auf die vierstündige Fahrt nach Abuja.
Alles verlief glatt, bis wir 300m von unserem Ziel enfernt waren, an dem Freunde mit den Tickets auf uns warteten. Victor übersah den Verkehrspoizisten (ich sah ihn auch nicht), was zur Folge hatte, dass sie ihn plus mein Auto (Victor fuhr) mit auf den Posten nehmen wollten, um zu sehen ob er nicht ein Wiederholungstäter sei und eine lächerlich Busse zu bezahlen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass wir den Match abschreiben müssten. Nach einigem Palaver gaben die Polizisten uns die Erlaubnis zum Treffpunkt zu fahren. Zwei Polizisten drängten sich zu mir und Karis auf den Rücksitz, während die anderen zwei uns auf dem Motorrad folgten. Wir hätten wohl nicht mehr Aufmerksamkeit erhaschen können. Nach noch mehr Palaver am Treffpunkt verzichteten die Polizisten schliesslich darauf Victor auf den Posten zu schleppen. Leider muss ich gestehen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben, obwohl ich dies nie tun wollte, Schmiergeld bezahlte. Bewusst war es mir in diesem Moment nicht, ich wollte einfach an den Match und die Vorstellung, dass wir vier Stunden vergeblich unterwegs waren, wollte ich nicht akzeptieren.
Als wir schliesslich in den Nähe des Stadions waren, erblickten wir tausende von Menschen und Schwaden von Tränengas in der Luft hängen. (Eine weitere Erfahrung: Tränengas vor dem Spiel anstatt nachher.) Sofort kehrten wir um und gingen zum nächstbesten Tor, um aufs Gelände gelassen zu werden. Die Polizisten waren jedoch anderer Meinung und schickten alle Leute in die Richtung, aus der das Tränengas kam. Carsten hielt von dieser Idee nicht viel, schon deshalb nicht, weil wir drei Kinder bei uns hatten. Die Polizisten sahen dies ein uns liessen uns passieren. Allerdings behielten sie unsere Tickets (ob die wohl noch einmal verkauft wurden?). Nach diesem ersten Hinternis, folgte unmittelbar ein weiteres. Der Wind trieb das Tränengas in unsere Richtung, in sekundenschnelle brannte es in meinem Rachen und die Augen tränten. Es war eine ätzende Erfahrung. Mit dem T'Shirt vor der Nase rannten wir auf das Station zu.

Leider waren wir noch nicht ganz am Ziel, ein weiterer Zaun und ein geschlossenes Tor mit Polizisten dahinter trennten uns davon. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Duzende von Menschen auf und jeder drängelt was das Zeugs hält. Von Schlange stehen hält keiner was und gesunden Menschenverstand konnte ich in diesem Moment auch nicht entdecken. Jeder schob und schuppste und versuchte der erste zu sein. Es gelang uns, uns aus der Masse zu befreien und zur Seite zu treten. Als die Polizisten sahen, dass wir Kinder dabei hatten, öffneten sie das Tor ganz und die Masse strömte hinein. Ich fühlte mich wie ein Goldfisch in der Badewanne, der im Sog des Abflusses steckt.
Glücklicherweise fanden wir uns alle wieder, musste aber feststellen, dass wir zwei Portemonnaies und ein Handy vermissten. Da haben doch einige die Gelegenheit des Gedränges zu ihren Gunsten ausgenützt. Ohne unsere Tickets wussten wir natürlich nicht, wo sich unsere Sitze befanden. Also versuchten wir es einfach irgendwo reinzukommen. Schnell mussten wir feststellen, dass das Stadion total gefüllt warund dass sich mehr Leute darin befinden, als es Sitzplätze hat. Schau dir die Ränge an, die Treppenaufgänge sind nicht mehr zu erkennen. Ich schätzte, dass sich anstelle der 65000 Zuschauer ca. 75000 Menschen im Stadion befanden.
Einmal mehr waren uns die Kinder behelflich. Eine Frau, die eine der VIP Lounge betreute, sah, dass es im Gedränge für die Kinder gefährlich werden könnte und führte uns in eine der Lounges. Wow, was für ein Geschenk! Erstklassige Sicht auf das Spielfeld, genügend Platz und in der Pause wurden uns sogar gratis einige Häppchen serviert und wir hatten ein eigenes WC in der Lounge. Von der Polizeistation (beinahe) zum VIP Bereich!
Weiteres typisches Ereignis: Auf der Anzeige stand: Südafrika 2008. Am Ende des Spiels waren wir dann beim Jahr 2010 angelangt. Das Stadion ist gewaltig und liegt ausserdem in einer schönen Umgebung, mit einem gewaltigen Felsen im Hintergrund, der hinter der Anzeigetafel erkennbar ist.
Der Match war gut und die Stimmung nach den Treffern Nigerias werde ich nicht vergessen, das Station kochte. Leider war das Endresultat 2:2, was bedeutet, dass Nigeria höchstwahrscheinlich nicht an die WM nach Südafrika fährt. Wir befürchteten, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte, falls Nigeria verliert, doch es blieb ruhig. Zum Schluss, als müssten wir für die Strapazen am Anfang entlöhnt werden, wurden wir in einem VIP Kleinbus (brandneu und klimatisiert) durch das Gewühl zu unseren Autos gefahren.

Das Abenteuer hat sich gelohnt!!!

Mit Matt und Karis

01.09.2009

Gotti-Freuden

Während mehreren Jahren habe ich mir gewünscht Gotti (Patentante) zu werden, weil ich es mir so cool vorstellte, eine spezielle Beziehung zu einem Kind zu haben und es während seinen Baby-, Kinder-, Teenage- und Erwachsenenjahren zu begleiten, eine Menge Spass zu haben, gemeinsam in den Zoo oder Würste bräteln zu gehen, ein Ansprechsperson in Krisenzeiten zu sein, für das Kind zu beten, etc. Doch es sollte einfach nicht sein, der Wunsch aber blieb und ich erzählte Gott davon und wie sehr ich es mir wünschte Gotti zu werden und deponierte den Wunsch bei ihm, denn in dieser Sache waren mir schlicht weg die Hände gebunden.
Vor einigen Monaten erhielt ich einen Anruf von Freunden im fernen Kanada, von denen ich wusste, dass sie schwanger waren. Als ich die langersehnte Frage hörte, konnte ich mich vor Freuden kaum still halten. Gott du bist so gut!!!
Am 12. August war es soweit und mein kleiner Knirps hat das Licht der Welt erblickt, PTL!!! Winzig aber doch vollkommen, einmalig, ein wahres Wunderwerk. Darf ich euch mein ‚Gottibueb’ vorstellen? Aragorn. Sein Name bedeutet ‚Königssiegel’ und er ist ein Kämpfer für den Frieden. Möge er seinem Namen gerecht werden. Aragorn hat einen Zwillingsbruder mit dem Namen Yondric.Da Beziehungen über eine lange Distanz unvermeidlich zu meinem Leben gehören, kann ich es kaum erwarten, Aragorn nächstes Jahr zu sehen, in den Armen zu halten, ihm und seinem Zwillingsbruder Geschichten zu erzählen, die beiden im Kinderwagen durch die Gegend zuschieben und mich einfach an dem Wunder eines neuen Lebens zu erfreuen.

PS: Stolze Eltern, ich danke euch nochmals von ganzem Herzen für das Privileg Aragorns Gotti zu sein.

26.08.2009

Lagergeschichten


Seit ich zwölf Jahre alt war gehörte zu jedem Sommer ein Lager. Selbst mit meinem Umzug nach Nigeria hat sich daran nichts geändert. Die Lager sehen hier zwar etwas anders aus und sind nicht so actiongeladen, wie ich es mir gewöhnt bin. Ich habe das Nachtgeländespiel vermisst, der Seilbrücke nachgetrauert oder so manch anderem thematischen Programmpunkt. Mit Zelten ist hier nichts, auf jeden Fall nicht zu dieser Jahreszeit, weil es jeden Tag in Strömen regnet. Es regnete dann allerdings in unser Zimmer, so dass wir Eimer aufstellen mussten um nicht durch Wasser waten zu müssen. Damit kam doch noch ein bisschen Abenteuerstimmung aufkam. In diesem Lager wurde ich dagegen um eine andere Erfahrung reicher, eine die mir die Augen dafür öffnete worauf es wirklich ankommt.

Mein liebster Programmpunkt war der Schlussabend. Es ging nicht in erster Linie um Spass und Show, sondern um die Herzen der Kinder. Einige Kinder erzählten von dem was sie während der Woche gelernt hatten und wie sich ihre Leben verändert hatten. Shedrach erzählte wie er vor drei Jahren das erste Mal im Lager war und sein Fokus damals nur das Essen gewesen war. (Die Lagerküche ist viel reichhaltiger und vielseitiger als das ganze Jahr hindurch, wenn der Menüplan aus ca. vier verschiedenen Hauptmahlzeiten besteht.) Im darauf folgenden Jahr habe er den biblischen Geschichten zu gehört und versucht einige der Verse auswendig zu lernen, ohne grossen Erfolg. Doch dieses Jahr habe er alle sechs Verse auswendig gelernt und ausserdem gesehen, was die Geschichte von Josef mit seinem Leben zu tun hat. Josef sei von seiner Familie verstossen worden wie er selbst und habe viele schwierige Situation erlebt. Er habe von Josef gelernt Böses nicht mit Bösen zu vergelten und in allen Situationen auf Gott zu vertrauen.

Yaw ist seit ca. drei Monaten bei uns. Er stammt aus dem Norden des Landes und ist Vollwaise, lebte auf der Strasse, sah und erlebte Gewalt und Grausamkeiten. Als ich ihn zuerst kennenlernte, war er ein sehr aggressiver Junge und ständig in Streitereinen verwickelt. Wer würde da denken, dass dieser Junge ein Herz für die anderen Kinder hat und alle, die Schwierigkeiten mit Lesen haben, auffordert aufzustehen und für sich beten zu lassen. Mein Herz floss über vor Dankbarkeit an den einen, der alles verändern und neu machen kann.

Das "Kraftwerk" (Küche): Diese Frauen sind genial, kochen für 170 Personen auf dem Feuer und ohne Lebensmittel die bereits verarbeitet wurden.

Spiel und Spass


05.08.2009

Happy Swiss Day

Die letzten Tage des Monates Juli zogen an mir vorbei, als ich mich daran erinnerte, dass der 1. August bald vor der Türe stehen würde. Aber was ist der 1. August schon ohne Schweizerdeutsch, Cervelat, Feuerwerk, Lagerfeuer und gemütliches Zusammensein mit Freunden? Ziemlich langweilig und öde. In Gedanken an den bevorstehenden Geburtstag meines geliebten Vaterlandes überkam mich ein wenig die Wehmut. Deshalb beschloss ich dem abzuhelfen und schritt zur Tat. Es ist erstaunlich, was man in Jos alles finden kann um eine 1. August Feier in der Diaspora zu feiern. In der Metzgerei an der Hauptstrasse liessen sich Cervelats finden (der Besitzer ist vor vielen Jahren aus der CH ausgewandert), ich habe Freunde, die mein Schweizerdeutsch verstehen und selbst genügend Bundesfeiern in der Schweiz erlebt haben, um mein Heimweh zu verstehen und es liess sich sogar ein bisschen Feuerwerk auf treiben. Als die Cervelat, Bratwürste und Hamburger auf dem Grill brutzelten, überkam mich ein solches Glücksgefühl, das mich sogar dazu anstiftete „Trittst im Morgenrot daher, …“ vorzutragen. Der Patriotismus war stärker als eine ev. Blamage, weil ich nicht jeden Ton treffe. Aber was gibt man nicht alles für ein Stückchen Heimat. Happy Swiss day!