Alles verlief glatt, bis wir 300m von unserem Ziel enfernt waren, an dem Freunde mit den Tickets auf uns warteten. Victor übersah den Verkehrspoizisten (ich sah ihn auch nicht), was zur Folge hatte, dass sie ihn plus mein Auto (Victor fuhr) mit auf den Posten nehmen wollten, um zu sehen ob er nicht ein Wiederholungstäter sei und eine lächerlich Busse zu bezahlen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass wir den Match abschreiben müssten. Nach einigem Palaver gaben die Polizisten uns die Erlaubnis zum Treffpunkt zu fahren. Zwei Polizisten drängten sich zu mir und Karis auf den Rücksitz, während die anderen zwei uns auf dem Motorrad folgten. Wir hätten wohl nicht mehr Aufmerksamkeit erhaschen können. Nach noch mehr Palaver am Treffpunkt verzichteten die Polizisten schliesslich darauf Victor auf den Posten zu schleppen. Leider muss ich gestehen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben, obwohl ich dies nie tun wollte, Schmiergeld bezahlte. Bewusst war es mir in diesem Moment nicht, ich wollte einfach an den Match und die Vorstellung, dass wir vier Stunden vergeblich unterwegs waren, wollte ich nicht akzeptieren.
Als wir schliesslich in den Nähe des Stadions waren, erblickten wir tausende von Menschen und Schwaden von Tränengas in der Luft hängen. (Eine weitere Erfahrung: Tränengas vor dem Spiel anstatt nachher.) Sofort kehrten wir um und gingen zum nächstbesten Tor, um aufs Gelände gelassen zu werden. Die Polizisten waren jedoch anderer Meinung und schickten alle Leute in die Richtung, aus der das Tränengas kam. Carsten hielt von dieser Idee nicht viel, schon deshalb nicht, weil wir drei Kinder bei uns hatten. Die Polizisten sahen dies ein uns liessen uns passieren. Allerdings behielten sie unsere Tickets (ob die wohl noch einmal verkauft wurden?). Nach diesem ersten Hinternis, folgte unmittelbar ein weiteres. Der Wind trieb das Tränengas in unsere Richtung, in sekundenschnelle brannte es in meinem Rachen und die Augen tränten. Es war eine ätzende Erfahrung. Mit dem T'Shirt vor der Nase rannten wir auf das Station zu.
Leider waren wir noch nicht ganz am Ziel, ein weiterer Zaun und ein geschlossenes Tor mit Polizisten dahinter trennten uns davon. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Duzende von Menschen auf und jeder drängelt was das Zeugs hält. Von Schlange stehen hält keiner was und gesunden Menschenverstand konnte ich in diesem Moment auch nicht entdecken. Jeder schob und schuppste und versuchte der erste zu sein. Es gelang uns, uns aus der Masse zu befreien und zur Seite zu treten. Als die Polizisten sahen, dass wir Kinder dabei hatten, öffneten sie das Tor ganz und die Masse strömte hinein. Ich fühlte mich wie ein Goldfisch in der Badewanne, der im Sog des Abflusses steckt.
Glücklicherweise fanden wir uns alle wieder, musste aber feststellen, dass wir zwei Portemonnaies und ein Handy vermissten. Da haben doch einige die Gelegenheit des Gedränges zu ihren Gunsten ausgenützt. Ohne unsere Tickets wussten wir natürlich nicht, wo sich unsere Sitze befanden. Also versuchten wir es einfach irgendwo reinzukommen. Schnell mussten wir feststellen, dass das Stadion total gefüllt warund dass sich mehr Leute darin befinden, als es Sitzplätze hat. Schau dir die Ränge an, die Treppenaufgänge sind nicht mehr zu erkennen.
Einmal mehr waren uns die Kinder behelflich. Eine Frau, die eine der VIP Lounge betreute, sah, dass es im Gedränge für die Kinder gefährlich werden könnte und führte uns in eine der Lounges. Wow, was für ein Geschenk! Erstklassige Sicht auf das Spielfeld, genügend Platz und in der Pause wurden uns sogar gratis einige Häppchen serviert und wir hatten ein eigenes WC in der Lounge. Von der Polizeistation (beinahe) zum VIP Bereich!
Weiteres typisches Ereignis: Auf der Anzeige stand: Südafrika 2008. Am Ende des Spiels waren wir dann beim Jahr 2010 angelangt. Das Stadion ist gewaltig und liegt ausserdem in einer schönen Umgebung, mit einem gewaltigen Felsen im Hintergrund, der hinter der Anzeigetafel erkennbar ist.
Der Match war gut und die Stimmung nach den Treffern Nigerias werde ich nicht vergessen, das Station kochte. Leider war das Endresultat 2:2, was bedeutet, dass Nigeria höchstwahrscheinlich nicht an die WM nach Südafrika fährt. Wir befürchteten, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte, falls Nigeria verliert, doch es blieb ruhig. Zum Schluss, als müssten wir für die Strapazen am Anfang entlöhnt werden, wurden wir in einem VIP Kleinbus (brandneu und klimatisiert) durch das Gewühl zu unseren Autos gefahren.
Das Abenteuer hat sich gelohnt!!!

