18.09.2009

Fussballfreuden

Da meine verbleibenden Tage in Nigeria definitv weniger werden und nicht mehr, habe ich mir vorgenommen noch einige schräge, unvergessliche, must-do-it Erlebnisse zu verschaffen, so dass ich nie das Gefühl haben werde, Nigeria nicht wirklich gesehen und erlebt zu haben.
Durch das Buschtelefon erfuhr ich, dass Nigeria ein Qualifikationsspiel für die WM 2010 gegen Tunesien spielen wird. Fussball ist der Nummer 1 Sport in Nigeria und jeder Junge möchte für Chelsea, ManU, Arsenal oder Barcelona spielen. Was könnte Nigerianischer sein, als im Stadion von Abuja für die Nigerianische Nationalmannschaft zu fanen. Ausgerüstet mit einem "echten" Trikot machten wir uns auf die vierstündige Fahrt nach Abuja.
Alles verlief glatt, bis wir 300m von unserem Ziel enfernt waren, an dem Freunde mit den Tickets auf uns warteten. Victor übersah den Verkehrspoizisten (ich sah ihn auch nicht), was zur Folge hatte, dass sie ihn plus mein Auto (Victor fuhr) mit auf den Posten nehmen wollten, um zu sehen ob er nicht ein Wiederholungstäter sei und eine lächerlich Busse zu bezahlen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass wir den Match abschreiben müssten. Nach einigem Palaver gaben die Polizisten uns die Erlaubnis zum Treffpunkt zu fahren. Zwei Polizisten drängten sich zu mir und Karis auf den Rücksitz, während die anderen zwei uns auf dem Motorrad folgten. Wir hätten wohl nicht mehr Aufmerksamkeit erhaschen können. Nach noch mehr Palaver am Treffpunkt verzichteten die Polizisten schliesslich darauf Victor auf den Posten zu schleppen. Leider muss ich gestehen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben, obwohl ich dies nie tun wollte, Schmiergeld bezahlte. Bewusst war es mir in diesem Moment nicht, ich wollte einfach an den Match und die Vorstellung, dass wir vier Stunden vergeblich unterwegs waren, wollte ich nicht akzeptieren.
Als wir schliesslich in den Nähe des Stadions waren, erblickten wir tausende von Menschen und Schwaden von Tränengas in der Luft hängen. (Eine weitere Erfahrung: Tränengas vor dem Spiel anstatt nachher.) Sofort kehrten wir um und gingen zum nächstbesten Tor, um aufs Gelände gelassen zu werden. Die Polizisten waren jedoch anderer Meinung und schickten alle Leute in die Richtung, aus der das Tränengas kam. Carsten hielt von dieser Idee nicht viel, schon deshalb nicht, weil wir drei Kinder bei uns hatten. Die Polizisten sahen dies ein uns liessen uns passieren. Allerdings behielten sie unsere Tickets (ob die wohl noch einmal verkauft wurden?). Nach diesem ersten Hinternis, folgte unmittelbar ein weiteres. Der Wind trieb das Tränengas in unsere Richtung, in sekundenschnelle brannte es in meinem Rachen und die Augen tränten. Es war eine ätzende Erfahrung. Mit dem T'Shirt vor der Nase rannten wir auf das Station zu.

Leider waren wir noch nicht ganz am Ziel, ein weiterer Zaun und ein geschlossenes Tor mit Polizisten dahinter trennten uns davon. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Duzende von Menschen auf und jeder drängelt was das Zeugs hält. Von Schlange stehen hält keiner was und gesunden Menschenverstand konnte ich in diesem Moment auch nicht entdecken. Jeder schob und schuppste und versuchte der erste zu sein. Es gelang uns, uns aus der Masse zu befreien und zur Seite zu treten. Als die Polizisten sahen, dass wir Kinder dabei hatten, öffneten sie das Tor ganz und die Masse strömte hinein. Ich fühlte mich wie ein Goldfisch in der Badewanne, der im Sog des Abflusses steckt.
Glücklicherweise fanden wir uns alle wieder, musste aber feststellen, dass wir zwei Portemonnaies und ein Handy vermissten. Da haben doch einige die Gelegenheit des Gedränges zu ihren Gunsten ausgenützt. Ohne unsere Tickets wussten wir natürlich nicht, wo sich unsere Sitze befanden. Also versuchten wir es einfach irgendwo reinzukommen. Schnell mussten wir feststellen, dass das Stadion total gefüllt warund dass sich mehr Leute darin befinden, als es Sitzplätze hat. Schau dir die Ränge an, die Treppenaufgänge sind nicht mehr zu erkennen. Ich schätzte, dass sich anstelle der 65000 Zuschauer ca. 75000 Menschen im Stadion befanden.
Einmal mehr waren uns die Kinder behelflich. Eine Frau, die eine der VIP Lounge betreute, sah, dass es im Gedränge für die Kinder gefährlich werden könnte und führte uns in eine der Lounges. Wow, was für ein Geschenk! Erstklassige Sicht auf das Spielfeld, genügend Platz und in der Pause wurden uns sogar gratis einige Häppchen serviert und wir hatten ein eigenes WC in der Lounge. Von der Polizeistation (beinahe) zum VIP Bereich!
Weiteres typisches Ereignis: Auf der Anzeige stand: Südafrika 2008. Am Ende des Spiels waren wir dann beim Jahr 2010 angelangt. Das Stadion ist gewaltig und liegt ausserdem in einer schönen Umgebung, mit einem gewaltigen Felsen im Hintergrund, der hinter der Anzeigetafel erkennbar ist.
Der Match war gut und die Stimmung nach den Treffern Nigerias werde ich nicht vergessen, das Station kochte. Leider war das Endresultat 2:2, was bedeutet, dass Nigeria höchstwahrscheinlich nicht an die WM nach Südafrika fährt. Wir befürchteten, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte, falls Nigeria verliert, doch es blieb ruhig. Zum Schluss, als müssten wir für die Strapazen am Anfang entlöhnt werden, wurden wir in einem VIP Kleinbus (brandneu und klimatisiert) durch das Gewühl zu unseren Autos gefahren.

Das Abenteuer hat sich gelohnt!!!

Mit Matt und Karis

01.09.2009

Gotti-Freuden

Während mehreren Jahren habe ich mir gewünscht Gotti (Patentante) zu werden, weil ich es mir so cool vorstellte, eine spezielle Beziehung zu einem Kind zu haben und es während seinen Baby-, Kinder-, Teenage- und Erwachsenenjahren zu begleiten, eine Menge Spass zu haben, gemeinsam in den Zoo oder Würste bräteln zu gehen, ein Ansprechsperson in Krisenzeiten zu sein, für das Kind zu beten, etc. Doch es sollte einfach nicht sein, der Wunsch aber blieb und ich erzählte Gott davon und wie sehr ich es mir wünschte Gotti zu werden und deponierte den Wunsch bei ihm, denn in dieser Sache waren mir schlicht weg die Hände gebunden.
Vor einigen Monaten erhielt ich einen Anruf von Freunden im fernen Kanada, von denen ich wusste, dass sie schwanger waren. Als ich die langersehnte Frage hörte, konnte ich mich vor Freuden kaum still halten. Gott du bist so gut!!!
Am 12. August war es soweit und mein kleiner Knirps hat das Licht der Welt erblickt, PTL!!! Winzig aber doch vollkommen, einmalig, ein wahres Wunderwerk. Darf ich euch mein ‚Gottibueb’ vorstellen? Aragorn. Sein Name bedeutet ‚Königssiegel’ und er ist ein Kämpfer für den Frieden. Möge er seinem Namen gerecht werden. Aragorn hat einen Zwillingsbruder mit dem Namen Yondric.Da Beziehungen über eine lange Distanz unvermeidlich zu meinem Leben gehören, kann ich es kaum erwarten, Aragorn nächstes Jahr zu sehen, in den Armen zu halten, ihm und seinem Zwillingsbruder Geschichten zu erzählen, die beiden im Kinderwagen durch die Gegend zuschieben und mich einfach an dem Wunder eines neuen Lebens zu erfreuen.

PS: Stolze Eltern, ich danke euch nochmals von ganzem Herzen für das Privileg Aragorns Gotti zu sein.

26.08.2009

Lagergeschichten


Seit ich zwölf Jahre alt war gehörte zu jedem Sommer ein Lager. Selbst mit meinem Umzug nach Nigeria hat sich daran nichts geändert. Die Lager sehen hier zwar etwas anders aus und sind nicht so actiongeladen, wie ich es mir gewöhnt bin. Ich habe das Nachtgeländespiel vermisst, der Seilbrücke nachgetrauert oder so manch anderem thematischen Programmpunkt. Mit Zelten ist hier nichts, auf jeden Fall nicht zu dieser Jahreszeit, weil es jeden Tag in Strömen regnet. Es regnete dann allerdings in unser Zimmer, so dass wir Eimer aufstellen mussten um nicht durch Wasser waten zu müssen. Damit kam doch noch ein bisschen Abenteuerstimmung aufkam. In diesem Lager wurde ich dagegen um eine andere Erfahrung reicher, eine die mir die Augen dafür öffnete worauf es wirklich ankommt.

Mein liebster Programmpunkt war der Schlussabend. Es ging nicht in erster Linie um Spass und Show, sondern um die Herzen der Kinder. Einige Kinder erzählten von dem was sie während der Woche gelernt hatten und wie sich ihre Leben verändert hatten. Shedrach erzählte wie er vor drei Jahren das erste Mal im Lager war und sein Fokus damals nur das Essen gewesen war. (Die Lagerküche ist viel reichhaltiger und vielseitiger als das ganze Jahr hindurch, wenn der Menüplan aus ca. vier verschiedenen Hauptmahlzeiten besteht.) Im darauf folgenden Jahr habe er den biblischen Geschichten zu gehört und versucht einige der Verse auswendig zu lernen, ohne grossen Erfolg. Doch dieses Jahr habe er alle sechs Verse auswendig gelernt und ausserdem gesehen, was die Geschichte von Josef mit seinem Leben zu tun hat. Josef sei von seiner Familie verstossen worden wie er selbst und habe viele schwierige Situation erlebt. Er habe von Josef gelernt Böses nicht mit Bösen zu vergelten und in allen Situationen auf Gott zu vertrauen.

Yaw ist seit ca. drei Monaten bei uns. Er stammt aus dem Norden des Landes und ist Vollwaise, lebte auf der Strasse, sah und erlebte Gewalt und Grausamkeiten. Als ich ihn zuerst kennenlernte, war er ein sehr aggressiver Junge und ständig in Streitereinen verwickelt. Wer würde da denken, dass dieser Junge ein Herz für die anderen Kinder hat und alle, die Schwierigkeiten mit Lesen haben, auffordert aufzustehen und für sich beten zu lassen. Mein Herz floss über vor Dankbarkeit an den einen, der alles verändern und neu machen kann.

Das "Kraftwerk" (Küche): Diese Frauen sind genial, kochen für 170 Personen auf dem Feuer und ohne Lebensmittel die bereits verarbeitet wurden.

Spiel und Spass


05.08.2009

Happy Swiss Day

Die letzten Tage des Monates Juli zogen an mir vorbei, als ich mich daran erinnerte, dass der 1. August bald vor der Türe stehen würde. Aber was ist der 1. August schon ohne Schweizerdeutsch, Cervelat, Feuerwerk, Lagerfeuer und gemütliches Zusammensein mit Freunden? Ziemlich langweilig und öde. In Gedanken an den bevorstehenden Geburtstag meines geliebten Vaterlandes überkam mich ein wenig die Wehmut. Deshalb beschloss ich dem abzuhelfen und schritt zur Tat. Es ist erstaunlich, was man in Jos alles finden kann um eine 1. August Feier in der Diaspora zu feiern. In der Metzgerei an der Hauptstrasse liessen sich Cervelats finden (der Besitzer ist vor vielen Jahren aus der CH ausgewandert), ich habe Freunde, die mein Schweizerdeutsch verstehen und selbst genügend Bundesfeiern in der Schweiz erlebt haben, um mein Heimweh zu verstehen und es liess sich sogar ein bisschen Feuerwerk auf treiben. Als die Cervelat, Bratwürste und Hamburger auf dem Grill brutzelten, überkam mich ein solches Glücksgefühl, das mich sogar dazu anstiftete „Trittst im Morgenrot daher, …“ vorzutragen. Der Patriotismus war stärker als eine ev. Blamage, weil ich nicht jeden Ton treffe. Aber was gibt man nicht alles für ein Stückchen Heimat. Happy Swiss day!

26.07.2009

Ein Hoch auf die Schneckenpost

Wäre ich vor 60 Jahren nach Afrika gekommen, dann hätte ich mich in ein Flugzeug gesetzt und wäre nach mehreren Tagen via unzähliges Umsteigen und mit vielen Zwischenlandungen in Jos angekommen. Ich wäre ohne baldige Aussicht auf eine Rückkehr in die Schweiz ausgereist. Kommuniziert hätte ich nur via Briefe und hätte ev. einmal im Jahr ein Telefonat führen können, wobei ein fünfminütiges Gespräch mich wahrscheinlich CHF 20.- gekostet hätte.

Heute sind die Bedingungen ganz anders und selbst im abgelegensten Dorf in der Afrikanischen Steppe spürt man einen Hauch des globalen Dorfes. Im aller mindesten hat es Coca-Cola dort hingeschafft. Manchmal sieht man sogar die Hühner neben der Satellitenschüssel eifrig im Staub nach Essbarem picken. Die Elektronik hat das Leben des Missionars verändert. Was wären wir ohne Elektronik und all die nützlichen Erfindungen, die unser Leben erleichtern (ob sie das Leben wirklich erleichtern, darüber lässt sich streiten).

In meiner Tasche ist ein Handy, auf dem Tisch ein Laptop mit Wireless, beim morgendlichen Joggen bringt mich die Musik meines via Computer aufladbaren mp3 in Schwung und die verbale Kommunikation mit Europa und dem Rest der Welt führe ich via Skype. Dass diese Segensmedaille aber auch eine Rückseite hat, habe ich in den letzten Wochen nur allzu deutlich erfahren müssen. Wenn der Strom ausbleibt, weil der Angestellte im Verteilerhäuschen entweder streikt oder ein anderes Quartier der Stadt bevorzugt und darum den Hebel nicht zu meinen Gunsten umlegt, dann hat das einen ziemlich grossen Einfluss auf meine Internetverbindung. Was nütze mir dann ein Wireless-Anschluss oder ein Handy, wenn die Batterien nicht aufgeladen werden?

Welch ein Genuss und Segen ist da die gute alte Schneckenpost! Mein Tag ist gerettet, wenn ich einen richtigen Brief aus dem Postfach fischen kann. Und es ist wie Weihnachten, Geburtstag, Ostern und ein Lottogewinn zusammen, wenn ich ein Packet in den Händen halten kann. (An dieser Stelle 1001 Dank an alle, die zur Feder gegriffen haben und die Mühen und Kosten nicht gescheut haben, mir ein Päckli zu schicken. Ihr könnt euch nicht vorstellen welch eine Freude eine Beutelsauce oder eine Tafel Schoggi machen können.) Die Zukunft liegt in der Schneckenpost, jawohl!

PS: Allerdings kann auch die Post versagen, wenn die Angestellten hier beschliessen zu streiken. Zurzeit gehen Gerüchte um, dass dies momentan der Fall sein soll :-(

Solltest du durch diesen Post ein inneres Dängen verspüren mir ein Päckli zu schicken, dann kontaktiere mich zuerst per Mail (bin wieder besser erreichbar), damit ich dir sagen kann wie die Streiksituation ist. Schliesslich gönne ich den Ratten und Mäusen auf den Poststellen den ungehinderten Spass nicht, sich an meinen ‚Goodies’ vergehen zu können.

03.05.2009

Hochzeit auf Nigerianisch

Kürzlich heiratete ein Arbeitskollege von mir. Es war nicht die erste Hochzeit, die ich in Nigeria erlebte (davon gibt es unzählige, denn im Gegensatz zu unseren Gepflogenheiten braucht man hier keine Einladung um an der Feier teilzunehmen), aber wohl die bedeutungsvollste für mich.
Joseph und Ladi

Es ist normal, dass Freunde, Arbeitskollegen etc. einheitlich an der Hochzeit auftreten. Und da ich an diesem Fest richtig Nigerianisch sein wollte, holte ich mir einige Freundinnen an Bord.Hurra, Patric ist da!
Und wie Nigerianisch wir an diesem Tag waren! Aufgrund von ungenauen Zeitangaben, was die Fahrzeit anbelangte, Beamten der Strasse, die unbedingt alle unserer Papiere sehen wollten, und einem Auto, das nicht mehr richtig fahren wollte, kamen wir 45 Minuten zu spät zur Trauung. Wir schafften es gerade noch vor dem Eheversprechen!
Joseph, der Bräutigam, fragte uns Monate im voraus an, ob wir Weissen einen Tanz aufführen würden. Wie könnte man ihm einen solchen Wunsch abschlagen. Das Ganze war ziemlich spontan und darum sehr lustig.
Bature (=weisser Mann) Tanzgruppe

Dass unsere Tanzeinlage Gefallen fand, konnten wir an dem Geld sehen, mit dem wir besprayt wurden. Es ist der Brauch, dass einem auf Hochzeiten Geldscheine auf die Stirne gedrückt werden, wenn der Tanz gefällt. Das Geld kommt dann dem Brautpaar zugute.
Geld sprayen

Als Weisser kann man nie inkognito auftreten, überall sticht man sofort heraus. Anders ist das auch bei Hochzeiten nicht. Es ist für jeden Nigerianer eine Ehre, ein weisses Gesicht unter den Gästen zu haben. Somit wurden wir mit weissen Handschuhen angefasst und mussten am 'high table' (=Ehrentisch) sitzen. In unserem Falle sassen wir nicht an einem Tisch, sondern in Reihen unter einem Canopy (siehe Foto oben). Am high table zu sitzen bedeutet, dass man das Essen vor den 'normalen Gästen' bekommt und meistens auch in grösseren Protionen. Das Standart Hochzeitsessen besteht aus jollof rice (Reis mit Gemüse), einem Stückchen Fleisch und einem ungekühlten Softgetränk (Cola, Sprite, Fanta,...). Manche staunten nicht schlecht, als sie auf dem Stückchen Fleisch noch die Fell der Kuh entdeckten :-) Typisch Nigerianisch eben! Oh wie liebe ich Nigeria! (Echt!)

10.03.2009

Tom und Jerry

Als Kind liebte ich Tom und Jerry. Ich freute mich, wenn Jerry es wieder einmal schaffte, den Krallen von Tom zu entkommen. Aber manchmal bemitleidete ich Tom. Der arme Kerl hatte einfach keine Chancen, den gewitzten Tom zu fangen und nur zu oft war er der Verlierer.
Dass aber auch die Verlierer mal gewinnen können, das habe ich diese Woche in meinen eigenen vier Wänden erlebt. Tom und Jerry live. Oder besser Max und die Maus.

Es war einmal kurz vor Mitternacht. Ich stand bereits an den Grenzen des Landes der Träume, als ich von einem Rascheln in die Realität zurück geholt wurde. Erst identifitzierte ich das Geräusch als Kakerlake (diese Kreaturen scheinen sich in meinem Haus (leider!!!) wohl zu fühlen). Da eine Kakerlage aber kein Grund zum Aufstehen ist, schliesslich schlafe ich unter einem Moskitonetz, was auch Kakerlaken davon abhält, beim nächtlichen Spaziergang über mein Gesicht zu wandern, drehte ich mich um und versuchte einzuschlafen. Nach nicht allzu langer Zeit hörte ich das Geräusch wieder. Nein, für einen Kakerlake ist das zu laut. Also fischte ich ganz leise nach meiner Brille und der Taschenlampe und ging dem Geheimnis auf den Grund. Und wen sah ich da im Lichtstrahl? Eine Maus!
Dies war der Auftritt für Max, schliesslich wohnt die Katze nicht umsonst in meinem Haus. Nach dem ich ihr das Halsband mit dem Glöggli abnahm, machte sich Max sofort ans Werk. Zu Beginn noch etwas unbeholfen, dann aber immer zielorientierte, wurde geschnüffelt. Und schwupps, Jerry war in Tom's Krallen gefangen. Was dann folgte, war nicht ein Katzenschmaus, sondern ein Spiel. Mäuse geben gute Bälle ab. Quer durch die Wohnung wurde der Graupelz gefegt, gefangen und dann wieder freigelassen, gefangen, freigelassen, ...

... bis ich beschloss, dass sich die beiden vor der Haustüre den Rest geben können. Es war höchste Zeit ins Bett zu gehen. Gute Nacht!